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Axel Petermann: Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder – ein Profiler ermittelt (True Crime) | Rezension Neuerscheinung

  • Autorenbild: Olivia Grove
    Olivia Grove
  • vor 24 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

《 R E Z I 》


Axel Petermann: Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder – ein Profiler ermittelt (True Crime)
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Axel Petermann: Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder – ein Profiler ermittelt (True Crime)

Erschienen am 11. Februar 2026 bei Heyne. • •


Starkes True Crime, brillante Fallanalysen – aber psychologisch unterkomplex


Das Buch verspricht Psychologie – liefert aber primär Kriminalistik.


„Denn das Böse ist nicht weit weg […]. Wer es verstehen will, muss den Mut haben, den Schlüssel in die Hand zu nehmen. Und wer ihn umdreht, der hört vielleicht das leise Klicken des Schlosses – das Geräusch einer Tür, die sich öffnet, in eine Welt, die uns mehr über uns selbst verrät, als uns lieb ist.“ (S. 12)


„Die Psyche des Bösen – Im Kopf der Mörder“ ist für mich ein echter Page-Turner: abgründig, hochspannend und stilistisch präzise erzählt. Ich habe das Buch nicht einfach gelesen, es hat mich hineingezogen. Nicht aus Sensationslust, sondern aus dem Wunsch zu verstehen. Und aus dem Gefühl heraus, dass diese Geschichten uns wachsamer machen müssen. Anderen gegenüber. Und uns selbst.


Axel Petermann beherrscht True Crime erzählerisch auf Top-Niveau. Seine Fallrekonstruktionen sind dicht, nüchtern und beklemmend nah an den Taten. Spuren, Motive, Wendepunkte, all das ist brillant herausgearbeitet.


Doch wo das Buch „tief in die Psyche“ eintauchen will, bleibt es oft an der Oberfläche der Tatlogik hängen. Die Täter werden uns hier primär über messbare Handlungen und Ermittlungsarbeit greifbar, weniger über innere Dynamiken, frühe Prägungen oder traumatische Entwicklungsbedingungen.


Problematisch wird das dort, wo psychische Störungen für mein Empfinden verkürzt oder skeptisch dargestellt werden. In einem zentralen Abschnitt im Fall zu Roger B. streift Petermann die dissoziative Identitätsstörung, bezeichnet sie als „wissenschaftlich umstritten“ und spricht von „angeblich monströser, ritueller Gewalt“:


„Dieses Krankheitsbild ist wissenschaftlich umstritten. Als Verfechter treten zum Beispiel Psychotherapeuten auf, die Fälle angeblich monströser, ritueller Gewalt behandeln.“ (S. 234)


Petermann nutzt DIS hier ausdrücklich als mögliche Schutzbehauptung des Täters, die er selbst als „fadenscheinig“ einordnet.


Die gewählte Wortwahl hat mich dennoch irritiert. Das bewusst gesetzte „angeblich“ relativiert reale Gewalt, das „Monströse“ wirkt entwertend. Der Blick verschiebt sich weg von Betroffenen hin zu Therapeuten als vermeintliche Ideologen.


Petermanns Skepsis gegenüber DIS als Täterschutzstrategie ist aus kriminalistischer Sicht für mich schlüssig, denn viele Täter nutzen dramatische Diagnosen manipulativ.


Im Fall Roger ist diese forensisch-reduktive Perspektive insofern nachvollziehbar, dass sie Tätererklärungen konsequent zurückweisen will. Gleichzeitig blendet sie eine zentrale traumapsychologische Realität aus:


DIS ist als traumabasierte Störung im DSM-5 und der ICD-11 klar beschrieben, seit Jahrzehnten klinisch und neurobiologisch erforscht. Und organisierte, extreme Gewalt ist kein Narrativ, sondern vielfach dokumentierte Tatsache (Missbr4uchsringe, K1nderhandel, s4distische Netzwerke), wie aktuelle mediale und juristische Aufarbeitungen zeigen.



Fazit:


So bleibt das Werk eine außergewöhnlich starke kriminalistische Fallstudie, aber ein begrenztes psychologisches Erklärungsmodell.

True Crime at its best. Mit einer spürbaren Leerstelle dort, wo die Psyche mehr ist als ein Ermittlungsansatz.


„Viele Täter sind Meister der Manipulation. Sie wissen, wie sie ihre Geschichten erzählen müssen, um Mitleid zu erzeugen oder Verantwortung abzugeben.“ (S. 11)


Und genau deshalb hätte ich mir an dieser Stelle mehr Mut zur Tiefe gewünscht.


Empfehlenswert ist das Buch besonders für Leserinnen und Leser, die präzise kriminalistische Fallanalysen schätzen und keine tiefenpsychologischen Porträts erwarten.



⭐⭐⭐⭐







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кℓαρρєηтєχт:

//     Warum Menschen morden ...

Was steckt hinter dem Tod einer Buchhalterin, die in einer Käserei erstochen wurde? Gibt es tatsächlich einen weiteren geheimnisvollen Täter, der den Mord vollendete? Spurlos verschwand kurz vor der Wende 1989 ein 13-jähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule. Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, denn jeder aus ihrem Umfeld hatte ein Motiv. Doch was geschah wirklich? Und versucht ein elfjähriger Junge ein Mädchen aus seiner Nachbarschaft zu erwürgen, ehe er später tatsächlich zum dreifachen Mörder wird?

Axel Petermann widmet sich drei spektakulären Fällen und liefert erstaunliche neue Erkenntnisse. Seine Ermittlungen zeigen: Häufig werden Fälle vorschnell zu den Akten gelegt. Ein ganz besonderes Augenmerk legt er diesmal auf die Psyche der Täter. Was macht Menschen zu Mördern – und wie wählen sie ihre Opfer aus? Der renommierte Kriminalist blickt in menschliche Abgründe und kommt mit den Methoden des Profiling den Verbrechern auf die Spur. Spannender als ein Krimi und beängstigend wahr.     //


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