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[𝗚𝗮𝘀𝘁-𝗥𝗲𝘇𝗶] Caroline Wahl: 22 Bahnen | Rezension - Gastbeitrag von Rezensurensohn

  • Autorenbild: Olivia Grove
    Olivia Grove
  • 24. Mai 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Okt. 2024

《 G A S T - R E Z I ~ Gastbeitrag von Rezensurensohn

Caroline Wahl: 22 Bahnen
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Caroline Wahl: 22 Bahnen

VÖ: 18.04.2023, DuMont Buchverlag • •


Enjoy your flight!


Es folgt eine brandneue Gastrezension von the one and only REZENSURENSOHN ! 👈🏻


Ich kann mich einer anderen Leserin nur anschließen: DANKE dafür, dass du genau die Bücher liest, die ich nicht lesen will und mir dafür die Argumente schenkst!


 


Caroline Wahl - 22 Bahnen (Dauerwerbesendung)


22 Bahnen sind im Berghain halt auch wieder was ganz anderes als im Schwimmbad. Öh.


Hätte ich normalerweise nicht gelesen. Aber weil @books.tea.avocado so ein Glücksbärchi ist und mir ein Kotelett an die Backe gelabert hat, habe ich jetzt mal das Hypebuch des letzten Jahres gelesen.


Zur Vorbereitung habe ich mir die Autorin zwei Stunden lang im Podcast "Hotel Matze" reingetan. Fangen wir schon mal damit an, dass ich aus dem Ruhrgebiet komme und es mich phonetisch schier umbringt, wenn jemand z. B. das G am Ende eines Wortes korrekt ausspricht.

Dat heißt Donnerstach.

Gibt Ausnahmen wie z. B. Wohnung, aber da würde es anders auch keinen Sinn machen. Mitunter hatte ich das Gefühl, Frau Wahl rutscht sediert vom Kunstlederstuhl. Also ich bin ja schon tiefenentspannt ne? Aber Caroline Wahl? Meine Fresse! Und dann kam die Stelle mit den "Scheißtexten". Das war dann der Punkt, an dem ich gesagt habe: Gucken wir mal.


Bereits auf Seite 9 wird klar:

Nee, das ist keine jüngere Frau. Das ist Steffi.

Der Einstieg in das Buch gestaltete sich, gelinde gesagt, befremdlich. Erst fährt Tilda von der Uni 69 Minuten ins Schwimmbad, was bei mir die Frage aufwarf, in welcher Megalopolis sie denn bitte wohnt. Dort angekommen, zieht sie sich das Kleid aus und springt ins Becken. Tolerieren wir jetzt einfach mal, dass es seltsam ist, unter einem Kleid einen Badeanzug zu tragen: Der wird auch erst beim zweiten Mal Schwimmbad erwähnt, beim ersten Mal springt die also einfach nudistisch und ungeduscht da rein oder wat?


Generell hat Tilda es nicht so mit der Viren- und Bakterienabwehr, was wir später noch sehen, wenn sie ein aufgetautes Hähnchen einfach wieder einfriert. Salmonellenrebellen Folge 3- Kühlkette ist für Schisser.


Irgendwann taucht dann auch das unvermeidliche Love Interest auf, Dolph Lundgren ... ach ne, Viktor. Habe bei der Beschreibung direkt an Dolph gedacht. If he dies, he dies. Ist aber auch schwer zu vergessen, denn damit es auch wirklich die dementesten Lesenden irgendwann begriffen haben, wird Viktors Aussehen alle paar Seiten beschrieben.


Man kann behaupten, Viktor habe einen Wortschatz wie eine Pendelhubsäge, nämlich keinen. Die Leserinnen haben bestimmt Herzchen in den Augen und sagen: "Er spricht durch seine Taten".

Die Figur finde ich jedenfalls nicht gut ausgearbeitet. Der Mann trägt einen Nike Jogginganzug. Und das geht nicht. Erstmal heißt das Tracksuit und zweitens ist es immer Adidas! Apropos Adidas ... würde Frau Wahl Geld für Markennennung erhalten, sie wäre spätestens jetzt Deutschlands bekannteste Werbebotschafterin. Das komplette Buch ist eine einzige groß angelegte Schleichwerbungskampagne.


Da gibt es dann noch die Sache mit Ivan, Viktors Bruder, um die im gesamten Buch herumgeeiert wird, nur damit die Plotline dann enden kann wie ein fader Furz.


Kommen wir zum Elefanten im Raum und dem einzigen Grund, warum das Buch nicht komplett abgesoffen (haha Schwimmbadwitz) ist: Die Mudda.

Ehrlich gesagt gehen für mich die alkoholkranke Mutter und das wirklich STÄNDIGE Erwähnen von Wein nicht zusammen. Trotz meiner anfänglichen Skepsis, schafft es die Autorin, Alkoholismus einigermaßen (einigermaßen!) lebensecht rüberzubringen.


So lebensecht, dass ich Flashbacks hatte und wütend geworden bin. Hatte ich auch schon lange nicht mehr. Ich bin da innerlich ein wenig eskaliert. Das geht aber noch wesentlich schlimmer, und ein Schokocroissant später ging es mir um einiges besser.


Im Buch wird größtenteils die Light Version von Alkoholismus aufgefahren, eine, die zwar erschüttert, das Ganze aber nicht komplett bis zum Ende durchspielt, was wahrscheinlich auch besser ist.


Tilda jedenfalls befindet sich in einer unangenehmen Situation. Sie will ja leben. Und da geht es dann auch um die Frage: Opfert man die kleine Schwester für die Freiheit.

Oft denkt Tilda darüber nach, ihre Mutter zu schütteln oder zu schlagen. Und das völlig zurecht. Ganz ehrlich? Hätte ich gemacht.


Die kleine Ida dagegen ist ein unheimlich weirdes Kind, aber das wäre jeder von uns, wenn er sein Leben lang 24/7 mit Scheiße konfrontiert wäre. Tilda kann im Gegensatz zu mir rechnen und bekommt daher ein Angebot, in einer großen deutschen Stadt zu studieren, nämlich in Trommelwirbel Berlin! Dort leben praktischerweise Freund*Innen von ihr, die was tun? Raven und Drogen nehmen. Mein Gott, wie innovativ. Mittlerweile hasse ich die Stadt, obwohl ich noch nie da war.


Das bringt uns zu Marlene. Hach, Marlene. Einfach jeder braucht keine Marlene. Sie ist die Konfettikanone voll Stereotype und feuert aus allen Rohren. Menschlich gesehen kann dat weg. Genau wie die viel gelobte, ekelhafte Puddingzubereitung nach Art eines promovierten Mediziners.


In eine Szene im Buch möchte ich aber definitiv noch reingehen, weil das hat mich echt ein bisschen fassungslos zurückgelassen.

Weißte, Ida, für die Mama einen Krankenwagen zu rufen, weil polytox ist die absolut richtige Entscheidung. Aber ab 42,5 fängt das Eiweiß im Gehirn an zu denaturieren und deine Schwester stirbt gerade, meinste nicht, Krankenwagen wäre da auch ne Option? Nö, da wird Dolph angerufen. If she dies, she dies.


Da sind wir wieder. Es ist jetzt nicht nur so, dass ich den Hype nicht verstehe. Es macht mich als lesenden Menschen persönlich betroffen, dass so viele Leute dieses Buch feiern.

Es ist redundant, von der viel gelobten Sprache ist wenig zu erkennen und ein innovativer Text ist es auch nicht. Ich will nicht sagen, dass dieses Buch komplett schlecht ist. Es hat seine Momente, das reicht mittlerweile auch gefühlt aus, um etwas zu verlegen, aber ich verorte das eher im Bereich Sally Rooney.


Einzige Merkmale, die herausstechen, sind der Alkoholismus der Mutter und Tildas Konflikt, zwischen Leben und Verantwortung entscheiden zu müssen.


Caroline Wahl muss klar gewesen sein, dass es einen zweiten Teil geben muss, denn eine sozial fast komplett isolierte, mental leicht angeknackste Elfjährige bei der versoffenen Mutter zurückzulassen, weil sie sagt, das ist okay, ist ein in jeder Hinsicht komplett herbeifabulierter, realitätsferner Friede, Freude, Eierkuchen Bullshit.


Ich schließe ab mit 2,5 von 5 und kann Bookstagram ehrlich gesagt langsam nicht mehr fassen.


Erschienen im Dumont Verlag, alle Rechte am Buch bei Autorin und Verlag.


 

Review written by Rezensurensohn.



⭐⭐,5



• • •


кℓαρρєηтєχт:

//     Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern und an schlechten Tagen auch um die Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, mit dem Tilda früher befreundet war. Viktor, der genau wie sie immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

 ›22 Bahnen‹ ist eine raue und gleichzeitig zärtliche Geschichte über die Verheerungen des Familienlebens und darüber, wie das Glück zu finden ist zwischen Verantwortung und Freiheit.

 »Caroline Wahl findet das Besondere im Alltäglichen und das Tröstliche im Schmerzvollen. Ein berührendes und feinsinniges Buch, mit dem man gern befreundet wäre.« BENEDICT WELLS

 »Ich bin durch ›22 Bahnen‹ gerauscht und hellauf begeistert. Herzerwärmend, fein, gnadenlos und richtig schön zugleich.« ALINA BRONSKY  //

 

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